Die Spitlbauernkapelle in Sinning

Ludwig Ried

Kurz vor der Straßenabzweigung nach Oberhausen steht auf der linken Seite die Spitlbauernkapelle. Sie ist aktenmäßig zum ersten Mal in einem Visitationsbericht der Pfarrei Sinning vom Jahre 1775 genannt. Es wird darin von einer Feldkapelle gesprochen.

"...es befindet sich in der Pfarrey noch ein feldcapell, wird aber nicht mess gelesen"

Bis in die Dreissiger Jahre des 20. Jahrhunderts war der Begriff "Feldkapelle" wirklich berechtigt. Sie stand damals auf dem freien Feld der westlichen Sinninger Flur in Richtung Leidling. Das Dorf Sinning war bei den beiden Anwesen Gessner und Appel (beim Spitlbaur) zu Ende. Erst durch den Neubau der Sägerei Reißner 1920/24 und dann der Firma Brix 1931/32 begann das Wachstum der Gemeinde in westlicher Richtung, wo zwar bei den früheren "Krautgärten" und beim "Gänsweiher" auch schon einige Häuser vor dem 2. Weltkrieg entstanden waren (Gieß, Böck, Morell, Gardel Matthias und Gardel Ludwig). Nach dem 2. Weltkrieg wurde schließlich das Haus von Schuhmachermeister Stadler direkt neben der Kapelle errichtet. Die "Feldkapelle" war nunmehr eine "Dorfkapelle" geworden.

Die schmucke Kapelle gehört seit jeher zum Spitlbauernhof der Familie Appel als Eigentum. Die Appel sitzen seit 1748 auf dem Anwesen, nunmehr bereits in der 7. Generation. Seine Abgaben musste der Spitlbaur nicht bloß an die Hofmarksherrschaft Sinning abliefern, sondern vor allem an die churfürstliche Spitalstiftung in Neuburg. Durch dies Zugehörigkeit zum dortigen Spital erklärt sich also der Hofname "Spitlbaur", der sich bis heute erhalten hat.

Das alte Spitlbauranwesen, das heute leer steht, aber immer noch gepflegt aussieht.

Allein das Grundwort "Baur" beim Hofnamen, weist daruf hin, dass das Anwesen seit jeher ein Bauernanwesen mit einem beträchtlichen Grundbesitz, nicht bloß eine Sölde war, in der Rangliste der Grundbesitzer in Sinning also weit oben stand.

Weitere geschichtliche Notizen zur Kapelle:

1827 macht der Schreiner Johann Schauer ein neues Gitter in der Kapelle am Weg zum Krautgarten um 5 fl. (Quelle: Gemeinde-Rechnung 1826/27)

1850 gibt die Gemeinde dem Spitlbaur 10 fl zum Erhalt der Kapelle.

1851 beantragt Pfarrer Schwager die Weihe der Kapelle und muss dem Ordinariat Fragen beantworten:

"Sinning, 4. Juli 1851. Dem hohen Auftrag vom 28. v. Mts. per 2. d Mts. entsprechen berichte ich gehorsamst wie folgt:

ad 1) Die fragliche Kapelle befindet sich gegen 500 Schritt außerhalb des Pfarrortes Sinning und zwar .... des Fahrweges von Feld umgeben.

ad 2) An Sonn- und Feiertagen nach dem nachmittägigen Pfarrgottesdienste gehen einzelne betagte Leute zu dieser Kapell und lesen im Gebetbuch oder beten Rosenkränze. Darin besteht die ganze Andacht; irgend eine pfarrliche Andacht und pfarrlicher Assistenz wurde noch nie geübt und wird jetzt nicht beabsichtigt.

ad 3) Die neue Einrichtung besteht aus einem Christus-Bilde und einigen Heiligen-Bildern und zwei Gebetsstühlen.

ad 4) Nach Vornahme des Ortsvorstehers versicherte derselbe, daß er schon zu Beginn der ...(Restaurationsarbeiten)... Consens angestrebt und erhalten sowie unter Aufsicht des kgl. Maurermeisters Karmann von Neuburg die Restauration begonnen und vollendet habe, was derselbe unten mit eigener Handschrift bezeugt." (Quelle: Pfarrarchiv Sinning)

1851 erhält Pfr. Schwager vom Ordinariat Augsburg mit Schreiben vom 7. Juli 1851 die Erlaubnis, diese Kapelle zu benedizieren, ohne Opferstock.

Wortlaut: "Benediktion einer Feldkapelle betr. Dem Herrn Pfarrer Schwager in Sinning wird auf dessen Gesuch vom 25. v. Mts. die Lizenz erteilt, die in der Gemeinde Sinning restaurierte Feldkapelle nach Anweisung des großen Bistums-Rituals zu benedizieren. Hiebei wird bemerkt, daß in oder bei dieser Kapelle ein Opferstock nicht angebracht werden darf."

1913 erst finden sich wieder Aktenstücke, welche sich auf die Spitlbauernkapelle beziehen:

Gemeinderatsbeschluss vom 9. November 1913:

"Der Neubau einer auf dem der Gemeinde gehörigen Grundstücks Nr. 880 1/3 wurde dem Josef Appel deshalb genehmigt, weil auf dieser Stelle mehr als 100 Jahre schon eine Kapelle gestanden hat. Die Gemeinde überläßt den Platz, auf dem die Kapelle steht, als Eigentum.

Die Gemeindeverwaltung Sinning: Stegmeier Bürgermeister, Appel Beigeordneter, Gauvogel Cassier, Gebhart, Appel, Eder, Stachel."

Die heutige Kapelle ist also im Jahre 1913 erbaut worden.

Ludwig Ried 03.2012

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