Die Josefskapelle bei der Beutmühle

Ludwig Ried

Zunächst zur Geschichte der Beutmühle:

Die Oberhauser Beutmühle ist wohl 1214 im Pappenheimer Urbar gemeint, wonach ein Ritter Elinbert von seinem Herrn, dem Marschall von Pappenheim, "ze Peit ain aygen hofstat" neben anderen Gütern in und um Neuburg zu Lehen besitzt. So schreibt Dr. J. Heider in einem Zeitungsbeitrag der Neuburger Rundschau im Jahr 1962.

Oberhausen mit der Oberen und der Unteren Beutmühle. Gezeichnet 1772 von Mathias Schöpfer, Neuburg.

"Als Peutmül", also tatsächlich als Mühle erscheint sie dann im Urbar des Hofkastenamtes Neuburg von 1497 mit Linhart Koch dem Jüngeren als Müller. Dr. Heider berichtet weiter: "Grundherr war und blieb bis 1808 das Hofkastenamt, seit 1808 das kgl. Rentamt Neuburg. ... Im 17. Jahrhundert diente sie als herzogliche Pulvermühle, seit dem 18. Jahrhundert wieder als Mahlmühle. Am 18.Juli 1805 erwarb sie Ignaz Frauenhofer um die riesige Summe von 10333 Gulden. Sie bildete damals aber auch einen stattlichen Besitz mit 135 Tagwerk. ... Seit 1895 gehört die Mühle, die zuletzt als Schlämmerei diente, der Firma Schulz, nunmehr von Philipp als Privatbesitz."    

Ausschnitt aus einer Flurkarte 19. Jahrhundert mit eingetragenen Flurnummern.

Nach dem Brand im März 1979 ging das Gelände der Beutmühle in den Besitz des Fischereivereins Neuburg über, der das Gebäude in zahlreichen freiwilligen Arbeitsstunden wieder errichtete und zum Vereinsheim mit eigener Gastronomie umgestaltete.

Die Josefskapelle bei der Beutmühle:

Die Josefskapelle geht auf Ignaz und Anastasia Frauenhofer zurück, Besitzer der Mühle seit 1805.

Der Anlass zum Bau der Kapelle waren die Hungerjahre 1815/16. Schon der letzte napoleonische Krieg verursachte eine Verknappung und damit eine Verteuerung der Nahrungsmittel.

Am 10. April 1815 brach dann der Vulkan Tambora auf der Insel Sumbawa in Indonesien aus. Es war die größt Vukaneruption seit mehr als 20.000 Jahren.

Ungeheure Staubmengen verdunkelten die Sonne auf der Nordhalbkugel bis Mitte 1816. Die Folge war eine schlechte Ernte 1815 und das Jahr 1816 ging als "Jahr ohne Sommer" in die Geschichte ein. Im April waren die Gewässer noch zugefroren. Im Mai war es kalt wie im Dezember. Viel zu spät konnte die Saat ausgebracht werden. Dann kamen Dauerniederschläge bis in den August hinein. Unmittelbar nach der katastrophalen Ernte setzte eine weitere, stetige Teuerung nicht bloß des Getreides ein, sondern auch die Preise für alle anderen Lebensmittel stieg von Woche zu Woche. Es kam zur schlimmsten Hungersnot des 19. Jhrhunderts.

Erst das Jahr 1817 brachte endlich ein Ende des Hungers. Die Ernte war reich und die Müllersleute Ignaz und Anastasia Fraunhofer hatten wieder Getreide zu mahlen. Zum Dank dafür fassten die beiden den Entschluss zum Kapellenbau, der im Frühjahr 1819 zur Ausführung kam.

Bericht über den ersten Erntewagen, der in die Stadt Neuburg gebracht wurde:

Neuburgisches Wochenblatt Nr. 30 vom 26. Juli 1817:

"Am 22ten dieß abends nach 5 Uhr wurde der erste mit vier Pferden bespannte Erntewagen mit Roggen unter allgemeinem Jubel, Glockengeläut und Abfeuerung des groben Geschützes hier eingeführt. Der Zug von der Musik des 7. Lin. Inf. Regiments und des hiesigen Landwehrbataillons begleitet, ging über die neue Bogenbrücke; Schulknaben und -mädchen waren als Schnitter und Schnitterinnen gekleidet, ihre Hüte mit Kornähren und Bändern, der Fruchtwagen mit Blumenkränzen geziert. Nächst der Hauptwache hielt der obere Herr Stadtpfarrer, 1. Kanonikus Grätzl, auf einer Tribüne eine dem der Armut vorzüglich geltenden Freudenfeste angemessene Rede. Nach dieser ging der Zug durch die Stadt bis in die Richtgasse in den Stadel des Eigentümers des Fruchtwagens, Johann Schneider, Bürger und Bräuer in Neuburg, der sich bei dieser Gelegenheit durch seinen Bürgersinn und Unterstützung der hiesigen Armen ausgezeichnet hat."

Erntefeier im August 1817:

"Triumph! Es waltet die ewige Liebe!

Sie zieht auf unseren Fluren einher,

und schüttet ihr Füllhorn über sie aus.

Oh seht! wie blicket der ewigen Liebe Bild,

die Sonne, so freundlich und segnend hernieder,

und unter ihr blühet der Baum,

und duftet die Blüte der herzerfreuenden Traub,

und wallet in weiten Fluten der stärkende Halm.

Triumph! Triumph! Es waltet die ewige Liebe."

Schlussverse einer Erntefeier mit Cantate, gesungen in einem zum Besten der Armen gegebenen Konzerte zu Neuburg an der Donau im August 1817.

Die Jahrhundertfeier der Beutmühlkapelle:

Zeitungsbericht vom Mai 1919. Aus Neuburg und Umgebung.

"Die Sonne des 27. Mai. kündete bei ihrem Aufgange am wolkenlosen Himmel einen herrlichen Maimorgen an. Der Morgen hielt, was er versprach. Eine stattliche Anzahl von Verwandten und Freunden der Familie Fraunhofer war der Einladung zur Säkularfeier der Beutmühlkapelle gefolgt und standen in früher Morgenstunde um dieselbe geschart, der von Oberhausen anziehenden Bittprozession harrend. Herr Direktor Schneider1, in Vertretung der derzeitigen Besitzer der Beutmühle, ließ die Kapelle mit jungem Grün und Blumenguirlanden sinnig zieren. Das Glöckchen am Turm war während des Krieges nach Oberhausen gewandert, dort wurden zwei Glocken als Opfer des Krieges abgefordert2. Heute hing es wieder am alten Platze und grüßt mit hellem Klange die aus dem Höfelholze herankommende Prozession, an der sich fast die ganze Gemeinde beteiligte. Nach Absingen eines Liedes und anschließender religiöser Handlung folgte ein Marienlied, an dem sich alt und jung beteiligte. Weihevolle Klänge zogen über das stille Tal hin. Feine Kinderstimmen, heller Sopran und mild klingender Alt, Tenor und Baß vereinigten sich zu einem Chor, der tief ergreifend Gemüt und Herz erhob. Hierauf hielt H. H. Pfr. Müller3 eine Ansprache. Ausgehend von der Zeit der napoleonischen Kriege, unter denen Oberhausen besonders schwer zu leiden hatte und ganz verarmte, kam er auf das Mißjahr 1817 zu sprechen und gedachte der Erbauer der Kapelle. Auf die vielen harten Jahre folgten wieder bessere Zeiten, das verarmte Dorf erholte sich nach und nach wieder. Er wies darauf hin, wie wir heute gerade ein Jahrhundert später wieder in schweren Zeiten lebend, die derzeitige Not und das Unglück der Niederlage in Vergleich stellend, ernst mahnend die Hoffnung auf die Zukunft gleich unseren Vätern nicht sinken zu lassen und im Vertrauen auf Gott nicht zu erlahmen. Herzbewegende, tief greifende Worte. In dieser weihevollen Stunde kam allen das tiefe Elend, die schwere Not unserer Zeit so recht zum Bewusstsein. Feierlicher Ernst, bange Sorge lag auf aller Antlitz ausgeprägt. Gereifte, die ganze Schwere der Not und Gefahr erkennenden Männern rann mehr als eine Zähre über die Wangen, geweint dem armen, schwer geprüften teuren Vaterlande. Mit dem herrlichen "Großer Gott, dich loben wir" und einem Vaterunser für die verstorbenen Stifter schloß die alle Teilnehmer bis ins Innerste ergreifende Feier. Dank, herzlichen Dank Herrn Pfarrer Müller, Dank der ganzen Gemeinde Oberhausen. Allen Anwesenden wird dieser schöne Maimorgen in dauernder Erinnerung bleiben. Um einen Genuß reicher, gestärkt im Hoffen und Vertrauen, zogen alle wieder heimwärts; die Gemeinde in ihr stilles Dörfchen, wir in den durch voller frischer Frühlingspracht stehenden Burgwald unserem lieben Neuburg zu."

1 Geschäftsführer der Globol-Werke Neuburg

2 Oberhausen musste 1917 i, 1. Weltkrieg zwei ihrer drei Glocken abliefern.

3 Ferdinand Müller, Pfarrer in Oberhausen 1898-1929

Ludwig Ried, 03.2012

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